Brief an Eins Live

Liebes Einslive,

wir kennen uns nun schon fast 20 Jahre und Du warst in vielen Momenten ein treuer Belgeiter. Allerdings werden sich unsere Wege wahrscheinlich trennen. Nichts ist mehr so wie es mal war.

Ich kannte Dich schon als Dein Name noch „WDR1“ war und bei Dir Leute wie Wolfgang Roth, Achim Preikschat, Alan Bangs oder Robert Treutel gearbeitet haben. Das muss 1986 oder so gewesen sein, ich war damals noch in der Schule. Sendungen wie „Hit Chips“, „London Calling“ oder die „Schlagerrallye“ waren für mich Pflichtprogramm. In meinem ersten Auto wurdest Du auf der Nummer 1 gespeichert. Im Oktober 1991 hast Du dann die Frequenzen gewechselt und ich bin mit umgezogen. Ich habe Dich oft gehört wenn ich während meiner ersten Ausbildung alleine in der Werkstatt aufgeräumt habe und auch während meiner Touren mit dem Zivi-Bulli stand das Radio meistens auf 105,5 MHz.

Dann wurdest Du 1995 in „Eins Live“ umbenannt. Ich war erst skeptisch weil es im Vorfeld viele Gerüchte gab dass aus Dir ein CD-Wechsler mit Superhits wird. Aber meine Sorgen wurden nicht bestätigt. „Eins Live“ war ein schickes Programm mit guter Musik, guter Comedy (Sataan, Ponyhof) und einem pirma Samstagabendsound („Partyservice“ mit Piet Blank). So ziemlich jeder in meinem Bekanntenkreis hat Dir zugehört. Doch dann wurde alles anders: Die gute Comedy verschwand, bei Dir gab es viel Black Music, „Sataan“ wurde ebenso aus dem Programm genommen wie der „Partyservice“, Deine Moderatoren wurden immer merkwürdiger, die Jingles waren schrecklich, die 1 wurde im Auto nur noch selten gedrückt. Vielleicht war ich auch mit meinen fast 30 schon zu alt und der Zielgruppe entwachsen.

Heute bin ich 33 und seit heute Morgen hast Du Dein Gesicht wieder verändert. Wie schon 1995 habe ich mit Spannung auf das Ergebnis der „Operation“ gewartet. Der Arzt, der Dir Dein neues Gesicht verpasst hat, sollte seinen Beruf lieber nicht mehr ausüben. Die Jingles klingen nach wie vor irgendwie sehr komisch, Deine Moderatoren glucksen, prusten und tun so als seien sie lustig und die Musik ist noch braver als vorher (Du hast Dir wohl zu oft das Programm Deines Mitbewerbers aus Oberhausen angehört, gelle? Brav sein und nicht auffallen). Liebes Eins Live, ich werde mich daher von Dir trennen. Vielleicht bin ich nun tatsächlich zu alt mit meinen 33 Jahren, ähnliche Programme (z.B. 3FM aus den Niederlanden) mag ich aber nach wie vor (auch wenn sie sich verändert haben). Ich habe eine neue Nummer 1 gefunden und zwar BFBS R1. Den Sender kenne ich auch schon seit ca. 20 Jahren, die Moderatoren dort sind aber entweder richtig oder gar nicht witzig und auch die Musik ist viel abwechslungsreicher als bei Dir. Er hat sich also viel besser gehalten als Du. Machs gut, Eins Live. Ich werde Dich nicht vergessen.

Liebe Grüße,
Dein Thomas

Warum ich diesen Eintrag schreibe? Der Kölner Jugendsender des WDR („Eins Live“) ist seit heute Morgen mit neuem On Air-Design und neuem Programm unterwegs. Lohnt sich aber in meinen Augen nicht, deswegen möchte ich an dieser Stelle kein weiteres Wort darüber verlieren.

(alte RDS-Kennung)

(neue RDS-Kennung)

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2 Antworten to “Brief an Eins Live”

  1. WüstenCamp Says:

    Jo, übel… Finde es auch nicht mehr wirklich gut… Hast Du das an 1Live weiter geleitet..!?

  2. Thomas Tepe Says:

    Bisher noch nicht, früher oder später wird diese Geschichte schon ihren Weg nach Köln finden. Ich schalte den Sender einfach nicht mehr ein und gebe meine Meinung auch an Aussenstehende entsprechend weiter…Achja, merk Dir schon mal den 17.2.07. Da is wieder Karneval in OS. Lust? Zeit?

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