Mein Führer

Am vergangenen Wochenende habe ich mir „Mein Führer“ von Dani Levy mit Helge Schneider als Adolf Hitler in der Hauptrolle angeschaut. Die Handlung ist schnell erklärt und Vielen sicher auch schon bekannt: Deutschland im Ende 1944, das Volk glaubt kaum noch an den Sieg des „Totalen Krieges“. Josef Goebbels plant eine Rede, durch die Adolf Hitler das Volk begeistern soll. Doch Hitler ist depressiv und meidet die Öffentlichkeit. Ausgerechnet ein jüdischer Schauspieler soll Hitler nun unterrichten und für diese Rede fit machen.

Bereits an diesem Punkt müsste schon fast klar sein, dass der Film wenig mit der Realität zu tun hat. Trotzdem hat der Streifen eine Diskussion ausgelöst ob man sich über Hitler lustig machen bzw. lachen darf. Und dann noch Helge Schneider als Führer. Ich als bekennender Helge-Fan war natürlich neugierig darauf, wie er als „normaler“ Schauspieler diese Rolle umsetzt. Schliesslich kennen wir ihn überwiegend nur aus Streifen wie „Texas“ oder „Jazzclub“ in denen Helge selbst Regie geführt hat und in denen die Handlung recht überschaubar ist. Helge hat die Rolle sehr gut umgesetzt. Er spielt einen leicht verwirrten Adolf Hitler, der von seinem Vater geschlagen wurde und diese Schläge wohl nie so richtig verarbeitet hat.

Allein diese Konstellation bietet genügend Ansätze Richtung Komik, „Katzeklo“ und ähnliche helgetypischen Überraschungen sucht man in diesem Streifen jedoch vergebens. Allerdings verstehe ich die Aufregung um diesen Film nicht ganz. Was ist daran schlimm über Adolf Hitler alias Helge Schneider zu lachen? Natürlich darf man nie vergessen, was alles in der Zeit zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, das Ganze liegt aber schon fast 100 Jahre zurück. Mein Opa war vielleicht ein Anhänger, meine Eltern sind im 2. Weltkrieg geboren und ich kenne das Alles glücklicherweise nur aus dem Geschichtsbuch. Warum darf man diese Person dann nicht von der lächerlichen Seite betrachten? Muss ich weiterhin Comedyshows aus dem Ausland gucken um über Hitler schmunzeln zu können? Mittlerweile wird doch so ziemlich Alles in irgendeiner Art und Weise durch den Kakao gezogen – egal ob zeitgenössisch oder historisch. Warum dann nicht auch Hitler? Oder müssen wir noch weitere 50 Jahre mit dem „Ja, ich deutscher Staatsbürger habe auch Schuld“-Gefühl durch die Gegend laufen? Wie gesagt, ich bin Anfang der 70er Jahre – also fast 30 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges – geboren worden und habe mit allem was in den dunklen Jahren zwischen 1933 und 1945 passiert ist nichts zu tun.

Daher Hut ab, Herr Levy. Ich finde es gut, dass Sie dieses Thema angesprochen haben. Deutschland redet über ein Tabuthema. Und ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass der eine oder andere über Helge Schneider als kränkelnder Führer lachen muss (obwohl er sich vorgenommen hat niemals über diese Person zu lachen). Ich denke Sie haben mit diesem Film eine grosse Welle losgetreten.

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