Freie Fahrt für freie Bürger?

Alle Jahre wieder kommt irgendjemand auf die Idee ein Tempolimit für deutsche Autobahnen zu fordern. Dieses Mal war es die SPD auf ihrem Parteitag in Hamburg am vergangenen Wochenende. Selbstverständlich läuft die Partei gegen eine Wand bestehend aus Automobilherstellern, Ölkonzernen und deren Helfershelfern. Wo kämen wir denn dahin, wenn BMW beispielsweise seine 400 PS-Flaggschiffe nicht mal mehr im Heimatland mit Vollgas auf die Autobahnen fahren lassen könnte? 400 PS und dann maximal 130 km/h? Und was macht die Ölindustrie? Wenn alle auf kleine und vor allem sparsame Motoren umsteigen, wird unterm Strich weniger Kraftstoff verbraucht, die weltweiten Ölreserven schrumpfen langsamer und die zu erwartenden Verkaufe und Gewinne lassen länger auf sich warten. Sowas geht doch nicht!

Das Tempolimit kommt also erstmal nicht. Umso interessanter sind aber die Gespräche im persönlichen Umfeld. Ihr werdet sicher auch die eine oder andere Diskussion mitbekommen bzw. sogar gestartet haben (egal ob pro oder kontra). Meiner Meinung nach ist es ziemlich egal ob ich maximal 130 oder maximal Bodenblech fahren darf. Da ich eh ein Auge auf den Benzinverbrauch meines Autos habe, lande ich meistens irgendwo zwischen 120 und 140 km/h. Zugegeben lege ich aber nicht wirklich viele Strecken unter Termindruck zurück.

Bevor unser Staat jedoch ein Tempolimit beschliesst (egal ob 110, 130 oder 150) sollte er den notorischen Dränglern, Lichthupenjunikes und Rechtsüberholern das Fell über die Ohren ziehen. Es kann ja wohl nicht sein, dass man bei 160 Sachen auf der linken Spur spätestens innerhalb einer Minute eine Oberklassenkutsche oder ein tiefergelegtes Autochen mit Lichthupe an der Stoßstange kleben hat. Schlägt man im Bussgeldkatalog nach, liest man folgendes:

Nichteinhalten des Abstandes zu einem vorausfahrenden Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von mehr als 130 km/h weniger als 1/10 des halben Tachowertes 250,- EUR, 4 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

Süss, oder? In anderen Ländern kann man bei solchen Vergehen getrost eine 0 an die Summe hängen. Warum ist das hier in Deutschland nicht auch machbar? 3000,- Euro Strafe, 12 Punkte, 40 Sozialstunden (z.B. Autobahnauffahrten säubern) und in zwei Jahren den Führerschein auf eigene Kosten neu machen dürfen (klingt überzogen aber für Wiederholungstäter in meinen Augen völlig okay). Aber auch hier wird wieder irgendeine Lobby auf die Bremse treten. Ausserdem ist es ja auch bequemer nachts um 22.45 Uhr in einer 30er Zone zu blitzen. Willkommen in Deutschland.

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