Christian Wulff

Mir geht die Berichterstattung seit dem ersten Tag auf den Senkel. Da fragt ein Mann einen offensichtlich reichen Freund aus alten Zeiten, ob er ihm etwas Geld leihen kann für seinen Hausbau. Der Freund sagt ja und verleiht dieses Geld für Sonderkonditionen. Das macht man halt so unter Kumpels. Einer der beiden ist Ministerpräsident in Niedersachsen und der andere ein Unternehmer. Das könnte man natürlich kritisch sehen aber auch in solchen Kreisen wäscht eine Hand die andere. Das dürfte nicht neu sein. Dann wird der Ministerpräsident gefragt ob er in den letzten zehn Jahren geschäftliche Beziehungen zum besagten Unternehmer gehabt hat. Er sagt „Nein“. Auch das finde ich nicht so dramatisch, die Beiden haben sich eher privat auf die Leihgabe geeinigt. Dann leiht sich der Ministerpräsident Geld von einer Bank – zu Sonderkonditionen. Auch das finde ich nicht verwerflich (auch wenn hier Verhandlungen des befreundeten Unternehmers vorausgegangen sind). Schade nur, dass ich diese Konditionen nicht bekommen würde aber ich bin ja auch kein Ministerpräsident.


Der Ministerpräsident wird Bundespräsident und eine grosse Zeitung wird auf den Privatkredit aufmerksam. Der Präsident ruft beim Chefredakteur an und versucht die Berichterstattung um dieses Thema zu verhindern – ohne Erfolg. Der Privatkredit und auch die Anrufe beim Chefredakteur werden veröffentlicht. In der deutschen Nachrichtenlandschaft gibt es ja auch nichts Wichtigeres. Und die Presse bohrt weiter und stösst auf Dinge, die vielleicht nicht korrekt sind, die aber jeder von uns sicher schon mal gemacht hat: mal die Fünf gerade sein lassen und einen Freundschaftsdienst in Anspruch nehmen. Die systematische Demontage in der Presse halte ich daher für sehr übertrieben. Welcher Politiker / Normalo hat nicht mal einen solchen Dienst in Anspruch genommen? Wer knüpft nicht im Laufe seines Lebens Kontakte und Geschäftsbeziehungen? Wer nimmt nicht Hilfe in Anspruch oder hilft mal einem Bekannten in dem er ihm Dinge zuschustert? Mich würde interessieren welcher Politiker nicht seinen persönlichen Vorteil sucht? Warum betreut ein Gerhard Schröder kurz nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt eine Pipeline, die sein Freund Vladimir Putin angestossen hat? Einfach nur lächerlich.

Ich finde es schade für Christian Wulff (und das nicht nur, weil er Osnabrücker ist und ich vor Urzeiten schon mal ein kurzes Interview mit ihm geführt habe). Und die Diskussion um den Ehrensold finde ich auch sehr übertrieben.

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