Paris, 13.11.2015

An dieser Stelle möchte ich ein mir selbst auferlegtes Gebot brechen: normalerweise halte ich mich online weitestgehend mit Kommentaren zum Tagesgeschehen und zur Politik zurück. Das Internet – vor allem die sozialen Medien – ist für mich eine rosafarbene Wolke, in der man herrlichen Blödsinn veranstalten, sich Informationen beschaffen und sich selbst darstellen kann. Kurzum: ein Freizeitpark mit Tastatur oder Touchscreen. Ernsthafte Diskussionen finden für mich eher im realen Leben mit realen Personen statt als über „Gefällt mir“-Buttons, Tweets, Messanger oder Mails. Blicke ich heute – knapp 20 Stunden nach den Terroranschlägen in Paris – auf einige meiner Einträge, sind sie mehr als makaber. Gestern Morgen fragte ich beispielsweise aus einer Laune heraus über Facebook und Twitter, ob Freitag der 13. ein Glücks- oder Unglückstag sei. Es folgten ernstgemeinte Reaktionen, aber auch der o.g. rosafarbene Blödsinn. Dass der gestrige Freitag der 13. so schrecklich endet, war mir am Morgen noch nicht klar.

Am gestrigen Abend habe ich mir einen Film angeschaut und gegen Ende ein wenig auf dem Handy herumgedaddelt. Via Twitter kamen dann die ersten Berichte, dass irgendwas in Paris passiert sei. Nach Ende des Films habe ich dann in der ARD einen Moment Fußball geschaut (wohl wissend dass das Spiel in Paris ist), dort schien aber alles ruhig. Erst beim Zappen fiel mir die improvisierte Berichterstattung auf BBC NEWS auf. Die anderen Sender zeigten weiter ihr normales Programm.


Über Twitter habe ich mich dann über die Berichterstattung der ARD aufgeregt. Redakteur und Sprecher Udo Stiehl (u.a. WDR2) erklärt hier logisch und nachvollziehbar warum das Ganze gestern Abend so gelaufen ist. Und ja: via Twitter und anderen Sozialen Netzwerken kann sich schnell Mist verbreiten. Insofern ist eine möglichst fundierte Recherche unablässig. Last but not least bin ich in der komfortablen Lage Nachrichten über verschiedene Satelliten und somit verschiedenen Ländern zu schauen. Das war gestern Abend ein großer Vorteil. Mittlerweile ist übrigens auch klar, dass das Freundschaftsspiel in Paris bewusst nicht abgebrochen wurde.

Terrorwarnstufen und groß angelegte Abhöraktionen werden „Menschen mit Visionen“ nicht stoppen können. Niemand von uns ist sicher vor Einzeltätern oder geschickt koordinierten Anschlägen wie gestern. Paris, Berlin, London… theoretisch kann es jeden Ort treffen (auch das eher provinzielle Osnabrück). Heute bin ich froh darüber eher in der Provinz zu wohnen. Paris steht übrigens auf meiner To Do-Liste für 2016. Daher bin ich vermutlich so stark beeindruckt von den gestrigen Eregnissen.

Meine Gedanken sind natürlich bei den Opfern und allen die ihnen nahe standen. Es macht keinen Sinn diese Emotionen in Worte zu fassen. Ich hoffe nur, dass solche Anschläge künftig verhindert werden können oder noch besser einfach nicht stattfinden. Ein respektvoller und vor allem gelassener Umgang miteinander und vor allem ein Dialog können helfen. Es wird nie eine Weltansicht oder eine Weltreligion geben. Und das ist auch gut so. Wir sollten miteinander sprechen. Nicht über soziale Medien, sondern im realen Leben. Vom Schreibtisch aus ist schnell ein Hasskommentar geschrieben, aus dem sich eventuell ein Anschlag oder ein Krieg entwickelt. Ein direkter Dialog kann Missverständnisse bereinigen und viel schlimmere Dinge verhindern. Damit sollten wir beginnen.

Je suis Paris.

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